Achtung Falle: wie Sie Ihre Arbeit im Familienunternehmen spürbar besser machen
- Christian Schiede
- 21. März
- 3 Min. Lesezeit
Familienmitglieder, die in das eigene Unternehmen einsteigen, stehen vor besonderen Herausforderungen. Jede Handlung wird durch die doppelte Linse von Familien- und Unternehmenslogik betrachtet.
Der Beitrag zeigt die häufigsten Fehler – von unklarer Motivation bis zur Vermischung von Familien- und Geschäftsdynamiken – und gibt klare Strategien zur Vermeidung.
Wer als Familienmitglied langfristigen Respekt und Erfolg sichern will, muss sich diesen erarbeiten.
„Was ist los – geht das Unternehmen bankrott - werden wir verkauft?“
Fritz war fassungslos. Die Frage des Werkleiters traf ihn völlig unerwartet. Zwei Jahre nach seinem MBA-Abschluss war er in die Lebensmittelfabrik seiner Familie eingestiegen. Statt sich auf seinen Nachnamen zu verlassen, wollte er sich den Respekt der Belegschaft hart erarbeiten. Er parkte wie alle anderen auf dem hinteren Parkplatz, lief täglich durch die Produktionshalle und suchte das Gespräch mit den Mitarbeitern. Doch eines Morgens reichte ein finsterer Blick bei seiner Ankunft, um Panik auszulösen.
Mehrere Kollegen hatten besorgt beim Werksleiter nachgefragt, ob etwas Schlimmes bevorstand. Fritz hatte nicht bemerkt, wie genau ihn alle beobachteten. Seine vorherige Arbeitserfahrung und sein Studium hatten ihn auf vieles vorbereitet – aber nicht darauf, ständig unter der Lupe zu stehen.
Familienname ist weniger Privileg und mehr Verpflichtung
Wer in ein Familienunternehmen einsteigt, betritt eine Bühne, auf der jede Geste und jede Entscheidung doppelt gewertet wird. Respekt erarbeitet man sich nicht nur durch Fachwissen und Leistung, sondern auch durch gelebte Bescheidenheit und ein ausgeprägtes Gespür für Wahrnehmungen. Kleine Gesten – wie ein teures Auto, ein unbedachter Social-Media-Post oder der Verweis auf den eigenen Status als „Eigentümer“ – können Spannungen auslösen.
Aber es geht nicht nur um Außenwirkung. Viele Nachfolger tappen unbewusst in Fallen, die ihre Position schwächen und das Betriebsklima belasten. Hier sind die häufigsten Fehler – und wie man sie vermeidet.
1. Die falsche Motivation für den Einstieg
Wer im Unternehmen nur arbeitet, weil es erwartet wird oder weil es bequem ist, setzt das falsche Signal. Ein uninspirierter Nachfolger gibt Mitarbeitern unbewusst die Erlaubnis, ebenfalls nur „Dienst nach Vorschrift“ zu leisten.
Alternative: Zeigen Sie echtes Interesse am Unternehmen. Begeisterung, Energie und der Wille, aktiv zu gestalten, motivieren das gesamte Team.
2. Anspruch auf Sonderbehandlung
Wenn Familienmitglieder schneller aufsteigen, als sie es durch Leistung rechtfertigen können, sorgt das für Misstrauen. Der Eindruck, dass nicht Leistung, sondern Verwandtschaft belohnt wird, zersetzt den Teamgeist.
Alternative: Starten Sie bewusst auf einer unteren Ebene und arbeiten Sie sich hoch. Echte Anerkennung entsteht nur durch sichtbar erbrachte Leistungen.
3. Hintertür zur Chefetage als Abkürzung
Statt offizielle Entscheidungswege zu nutzen, setzen manche Familienmitglieder auf informelle Gespräche mit der Unternehmensführung – oft Verwandte. Doch das Umgehen von Hierarchien sorgt für Frust und untergräbt die Autorität der Führungskräfte.
Alternative: Respektieren Sie bestehende Strukturen. Arbeiten Sie sich durch die offizielle Befehlskette und fordern Sie keine Sonderbehandlung bei Urlaub, Arbeitszeiten oder Spesenregelungen.
4. Vermischung von Familien- und Unternehmensdynamiken
Viele unterschätzen, wie toxisch es sein kann, private Konflikte ins Unternehmen zu tragen. Wenn sich Mitarbeiter gezwungen fühlen, Partei in familiären Streitigkeiten zu ergreifen, leidet die Produktivität – und der Respekt vor der Unternehmensführung.
Alternative: Setzen Sie klare Grenzen. Vermeiden Sie es, Eltern als „Mama“ oder „Papa“ im Büro zu bezeichnen und lösen Sie familiäre Konflikte außerhalb des geschäftlichen Umfelds.
"there is no free lunch" - wer den Familiennamen trägt, muss doppelt überzeugen
Die Arbeit im Familienunternehmen kann eine lohnende Erfahrung sein – oder eine Belastung. Entscheidend ist, wie man mit der eigenen Rolle umgeht.
Die Erfahrung lehrt: Wer Respekt will, muss ihn sich erarbeiten. Und wer langfristig erfolgreich sein will, darf nie vergessen, dass Führung nicht nur bedeutet, Entscheidungen zu treffen – sondern auch, ein Vorbild zu sein.
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