Akute Verschieberitis - wie beginnen wir das Nachfolgegespräch?
- Christian Schiede
- 22. März
- 3 Min. Lesezeit
Der Einstieg in Gespräche über Eigentumsübertragung und Führungsnachfolge ist für viele Unternehmerfamilien eine schier unüberwindliche Hürde – oft aus Angst vor Konflikten oder eigener Unsicherheit. Doch das Zögern birgt enorme Risiken.
So wie die längste Reise mit dem ersten Schritt beginnt liegt der Schlüssel liegt in der richtigen Gesprächsstrategie: neutrale Moderation, sichere Rahmenbedingungen, klare Zielsetzung und die Anerkennung gegenseitiger Sorgen.
Wer rechtzeitig handelt, sichert nicht nur den Erfolg des Unternehmens, sondern auch den Familienzusammenhalt.
Ein unausweichliches Gespräch – doch wie fangen wir an?
Die Nachfolge in Familienunternehmen ist eine der größten Herausforderungen, die Unternehmerfamilien meistern müssen. Sie betrifft nicht nur die Eigentümergeneration, sondern auch die nachfolgende Generation, Mitarbeiter und oft auch externe Stakeholder. Viele Familien schieben das Gespräch darüber jedoch über Jahre hinweg hinaus – aus Angst vor Konflikten, Unsicherheiten oder einfach, weil der Alltag stets Vorrang hat. Dabei kann gerade diese Verzögerung die Nachfolge erheblich erschweren.
Wie also finden Familien den richtigen Einstieg in dieses wichtige Gespräch?
Die Perspektiven: Heute und morgen
Ein durchdachter Nachfolgeprozess kann ein Unternehmen für Jahrzehnte auf Erfolgskurs halten. Eine schlechte Planung führt dagegen oft zu Unsicherheiten, Spannungen oder gar zum Verlust des Unternehmens. Beide Generationen haben dabei unterschiedliche Erwartungen und Ängste. Doch wie bringt man den Prozess in Gang?
Das Dilemma der älteren Generation
Sigi, langjähriger Unternehmer, hatte 30 Jahre seines Lebens in sein Familienunternehmen investiert. Nun, mit Ende 60, dachte er darüber nach, sich schrittweise zurückzuziehen. Doch er wusste nicht, ob seine Kinder überhaupt Interesse an einer Übernahme hatten. Niemand hatte jemals offen darüber gesprochen. Er führte das Unternehmen weiter, doch mit wachsendem Gefühl, in einer Sackgasse zu stecken.
Die Herausforderung der Next Gen
Anders erging es Jens, 35 Jahre alt und voller Tatendrang. Er war nach dem Studium ins Familienunternehmen eingestiegen, doch sein Vater übernahm weiterhin alle wichtigen Entscheidungen allein. Weder wurde Jens zu Vorstandssitzungen eingeladen noch hatte er eine klare Perspektive auf eine Führungsrolle. Frustriert stellte er sich die Frage: Hat dieses Unternehmen überhaupt eine Zukunft für mich?
Beide Situationen zeigen, dass der ideale Moment für den Dialog oft verstreicht. Doch wie können Unternehmerfamilien dieses Gespräch aktiv gestalten?
Hürden überwinden: Den ersten Schritt wagen
Unsere Erfahrung zeigt: Die jetzige und die kommende Generation müssen jeweils eigene Unsicherheiten überwinden, um den Dialog zu beginnen. Hier sind einige bewährte Wege, das Gespräch in Gang zu bringen:
Eine neutrale dritte Partei hinzuziehen: Ein CFO, Berater oder Beiratsmitglied kann als Moderator fungieren und helfen, das Gespräch auf eine sachliche Ebene zu bringen.
Den Anlass klar formulieren: Anstatt das Thema nur vage anzuschneiden, sollte das Gespräch bewusst als Nachfolge-Dialog aufgesetzt werden.
Die Sorgen beider Seiten anerkennen: Die ältere Generation fürchtet oft den Kontrollverlust, während die jüngere Generation um ihren eigenen Gestaltungsspielraum bangt. Diese Perspektiven sollten offen angesprochen werden.
Die entscheidenden Fragen
Sobald das Gespräch begonnen hat, stellt sich die Frage: Worüber genau sollten wir sprechen?
Hier sind einige Leitfragen, die wir nutzen, um den Prozess strukturieren:
Wollen wir als Familie das Unternehmen weiterführen? Dies ist die grundlegende Frage, die zu Beginn geklärt werden muss. Oft sind nicht alle Familienmitglieder gleichermaßen daran interessiert.
Warum wollen wir es gemeinsam besitzen? Eine gemeinsame Vision hilft, spätere Konflikte zu vermeiden und die langfristige Strategie zu definieren.
Wie werden künftige Entscheidungen getroffen? Die Festlegung von Governance-Strukturen, Beiräten oder Entscheidungsmechanismen sorgt für Klarheit und verhindert Missverständnisse.
Wem gehören die Unternehmensanteile in Zukunft? In vielen Fällen sind Eigentumsübergang und Managementübergang zwei unterschiedliche Fragen, die frühzeitig besprochen werden sollten.
Nachfolge ist kein Projekt – sondern ein Prozess
Ein erfolgreicher Nachfolgeprozess ist niemals das Ergebnis von ein paar Meetings. Er erfordert langfristige Planung, intensive Gespräche, ausreichende Pausen und das Engagement beider Generationen. Familien, die den Prozess frühzeitig beginnen, profitieren nicht nur von einem reibungsloseren Übergang, sondern auch von einer gestärktem Familienzusammenhalt und gegenseitigem Vertrauen.
Ein Sprichwort sagt: "Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor 20 Jahren. Der zweitbeste Zeitpunkt ist jetzt."
Dasselbe gilt für das Nachfolgegespräch. Warten Sie nicht zu lange – beginnen Sie den Dialog heute.
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