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Altersunterschiede unter Cousins und Cousinen meistern

Altersunterschiede im Cousin-Konsortium stellen Familienunternehmen vor große Herausforderungen. Jüngere und ältere Generationen unterscheiden sich in Technologieverständnis, Führungsstil und Innovationsbereitschaft. Erfolgreiche Unternehmen nutzen diese Diversität gezielt: durch Innovationsforen, intergenerationale Sparringsrunden und eine offene Führungskultur. Wer Altersvielfalt als strategischen Vorteil begreift, kann Stabilität und Fortschritt optimal verbinden.

 

Die versteckte Dynamik im Cousin-Konsortium

Die Entwicklung eines Familienunternehmens durchläuft drei klassische Phasen: die kontrollierende Einzelherrschaft, die Geschwisterpartnerschaft und schließlich das Cousin-Konsortium. In letzterer Phase wird das Eigentum an der Firma oft auf eine größere, geografisch verstreute und diversifizierte Eigentümergruppe verteilt. Neben offensichtlichen Herausforderungen wie unterschiedlichen Brancheninteressen oder der Integration verschiedener Lebensstile gibt es eine weniger beachtete, aber entscheidende Dynamik:


Altersunterschiede zwischen den Cousins und Cousinen in der Eigentümergeneration.


Diese Unterschiede – insbesondere, wenn sie 20 Jahre oder mehr betragen – führen zu verschiedenen Wahrnehmungen von Führungsstilen, Innovationsbereitschaft und Unternehmenskultur. Während ältere Cousins oft an etablierten Strukturen festhalten, bringen jüngere Cousins eine digital geprägte Denkweise mit und fordern Agilität. Werden diese Differenzen nicht aktiv adressiert, entstehen unproduktive Spannungen, die langfristig den Zusammenhalt und die strategische Steuerung des Familienunternehmens gefährden.


Drei zentrale Herausforderungen – und wie man sie meistert

Ein bewusster Umgang mit den generationsbedingten Unterschieden ermöglicht es, den Mehrwert vielschichtiger Perspektiven zu nutzen, statt sich von ihnen spalten zu lassen. Die folgenden Bereiche sind dabei besonders sensibel:


1. Technologie und digitale Transformation: Wer setzt die Agenda?

Die technologische Kompetenz ist generationsabhängig. Digital Natives aus der jüngeren Cousin-Generation denken in digitalen Geschäftsmodellen und datengetriebenen Entscheidungen, während ältere Cousins oft an bewährten Methoden festhalten. Das führt zu unterschiedlichen Risikowahrnehmungen: Während jüngere Cousins Cloud-Lösungen oder Künstliche Intelligenz als notwendige Innovationsschritte sehen, begegnet die ältere Generation solchen Neuerungen mit Skepsis.


Lösung: Ein klar strukturiertes Innovationsforum innerhalb der Familie ermöglicht es, technologische Entwicklungen transparent zu evaluieren.

Durch regelmäßige Diskussionsrunden, in denen Geschäftsfälle für neue Technologien rational geprüft werden, entsteht ein gemeinsames Verständnis über den Nutzen von Investitionen.


Praxisbeispiel: Ein Familienunternehmen der vierten Generation hat durch den Einsatz von Cloud-Technologie seine Bestandskontrolle revolutioniert. Jüngere Cousins führten eine neue ERP-Lösung ein, die E-Commerce, Einzelhandel und Logistik synchronisierte. Der Erfolg beruhte auf einem fairen Dialog zwischen den Generationen, in dem sowohl Erfahrungen als auch Innovationsvorschläge gleichwertig behandelt wurden.


2. Kommunikationskultur: Gegenseitiges Lernen als strategische Kompetenz

Traditionell galt: Jüngere Familienmitglieder hören zu, ältere geben Wissen weiter. Doch heute verfügen jüngere Cousins häufig über spezialisierte Fachkenntnisse, insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, moderne Führungskonzepte und ESG-Standards. Gleichzeitig bringen ältere Cousins die Erfahrung aus Jahrzehnten unternehmerischer Praxis mit.



Lösung: Intergenerationale Sparringsrunden schaffen eine gleichwertige Kommunikation.

Hier teilen sowohl jüngere als auch ältere Cousins gezielt ihr Wissen – ohne Hierarchien. Respekt vor Erfahrung trifft auf Offenheit für neue Perspektiven.


3. Anpassung an Veränderungen: Konsensbildung statt Generationenkonflikt

Der Mythos, dass ältere Cousins Veränderungen ablehnen und jüngere den Fortschritt vorantreiben, ist ein Klischee.


Die Wahrheit: Veränderung erzeugt in jeder Altersgruppe Unsicherheit. Besonders in einem Familienunternehmen, in dem emotionale Bindungen an bestehende Strukturen eine größere Rolle spielen als in rein kapitalgetriebenen Unternehmen.


Lösung: Um Veränderungen erfolgreich zu gestalten, muss die gesamte Eigentümerfamilie in den Prozess eingebunden werden.

Ein interner Innovationsausschuss, besetzt mit Cousins unterschiedlichen Alters, hilft dabei, langfristige Risiken und Chancen gemeinsam zu bewerten. Ergänzend sollten externe Experten eingebunden werden, um neue Impulse in die Diskussion einzubringen.


Praxisbeispiel: Die dritte Generation eines Speziallebensmittelunternehmens baute ihr Geschäft durch strategische Expansion in neue Vertriebskanäle aus. Während die älteren Cousins den Markenwert und die Produktqualität schützten, entwickelten die jüngeren Cousins datenbasierte Verkaufsstrategien. Der Schlüssel zum Erfolg war eine klare Aufgabenverteilung, die sowohl die Erfahrung als auch die Innovationskraft der Familie optimal nutzte.



Altersvielfalt als strategischer Vorteil nutzen

Cousins sind nicht wie Geschwister. Sie kommen aus unterschiedlichen Familienzweigen, haben oft verschiedene berufliche Hintergründe und soziale Prägungen. Diese Vielfalt ist eine Chance, wenn sie aktiv als Kompetenz-Mix verstanden wird.


Die entscheidenden Erfolgsfaktoren:

  1. Achtsamkeit für Generationsunterschiede – sie existieren, sollten aber nicht zu verhärteten Fronten führen.

  2. Konstruktive Inklusion – jedes Familienmitglied sollte eine Stimme haben, unabhängig vom Alter.

  3. Strukturierte Dialogformate – damit Entscheidungen nicht von Emotionen, sondern von Sachargumenten geleitet werden.


Ein Familienunternehmen ist dann zukunftsfähig, wenn es gemeinsam über Generationen hinweg lernt. Das bedeutet für jüngere Cousins: Respekt und Demut gegenüber der Erfahrung der Älteren. Und für die ältere Generation: Neugier und Offenheit gegenüber neuen Ideen.

Die wahre Stärke eines Cousin-Konsortiums zeigt sich nicht darin, wie ähnlich die Eigentümer denken – sondern darin, wie gut sie die Vielfalt ihrer Perspektiven orchestrieren können.

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c/o Hochschule München  |  Bayrische Spitzenprofessur für Transformation & Innovation in Familienunternehmen

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