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Boomer und Millennials: Folgen für den Generationenwechsel

Der Wechsel von den Babyboomern zur Generation der Millennials verändert die DNA von Familienunternehmen grundlegend. Unterschiedliche Werte, Führungsstile und Karriereansichten führen zu Konflikten – aber auch zu Chancen. Wer flexible Karrierewege, hybride Führung und digitale Transformation klug integriert, macht den Wandel zum Wettbewerbsvorteil. Der Schlüssel: Ein generationsübergreifender Dialog, der Tradition und Innovation verbindet.


 

Jede Generation bringt neue Perspektiven auf Arbeit, Karriere und Familienleben mit sich. Während dieser Wandel oft schleichend verläuft, erleben wir heute einen beispiellosen Umbruch: Der Wechsel von den Babyboomern zur Generation der Millennials ist nicht nur eine Frage des Führungsstils – er verändert die DNA von Familienunternehmen fundamental.


Das Erbe der Babyboomer: Stabilität und Fleiß

Die Babyboomer, geboren zwischen 1946 und 1964, wuchsen in einer Zeit des wirtschaftlichen Wachstums und relativer politischer Stabilität auf. Ihre Karriere war geprägt von festen Strukturen, langfristigen Arbeitsverhältnissen und einer tiefen Loyalität gegenüber Unternehmen. Ihr Verständnis von Erfolg basierte auf harter Arbeit, Disziplin und einer starken Hierarchie.

Sie selbst wurden von der „Silent Generation“ (1925–1945) geprägt, die vor allem Wert auf Zurückhaltung, Sicherheit und Beständigkeit legte. Heute aber stehen die Babyboomer an der Spitze von Familienunternehmen – und sehen sich mit der Herausforderung konfrontiert, eine völlig anders tickende Generation in Führungsrollen zu integrieren.


Millennials: Unabhängigkeit vor Loyalität

Die Millennials, geboren zwischen 1982 und 2004, wuchsen in einer digitalisierten Welt auf, die ständig in Bewegung ist. Sie haben wirtschaftliche Unsicherheit erlebt – von der Finanzkrise 2008 bis zur COVID-19-Pandemie – und setzen auf Flexibilität statt auf Sicherheit. Während für die Boomer ein fester Arbeitsplatz das Ziel war, legen Millennials mehr Wert auf Selbstverwirklichung, Work-Life-Balance und sinnstiftende Tätigkeiten.

Zahlreiche Studien zeigen, dass Millennials weniger geneigt sind, sich langfristig an Unternehmen zu binden. Stattdessen setzen sie auf ein breites Kompetenzportfolio, digitale Geschäftsmodelle und unternehmerische Freiheit. Laut einer Umfrage der Financial Times halten über 50 % der Millennials es für eine zentrale Lebensleistung, selbst ein Unternehmen zu gründen – ein Trend, der Familienunternehmen vor neue Herausforderungen stellt.


Die Rolle der Generation X: Die Brücke zwischen zwei Welten

Zwischen diesen beiden Generationen steht die Generation X (1965–1981), die oft als „Sandwich-Generation“ bezeichnet wird. Sie hat die digitale Transformation miterlebt und versteht sowohl die traditionellen Werte der Babyboomer als auch die digitale Agilität der Millennials. Ihre Rolle in Familienunternehmen ist entscheidend: Sie sind oft die „Übersetzer“, die zwischen alten Strukturen und neuen Erwartungen vermitteln.


Spannungsfelder im Generationenwechsel

Trotz vieler Gemeinsamkeiten – etwa dem Wunsch nach sozialer Verantwortung und nachhaltigem Wirtschaften – gibt es fundamentale Unterschiede, die zu Konflikten führen können:

  • Führungsstil: Während Boomer auf Hierarchien setzen, bevorzugen Millennials flache Strukturen und kollaborative Entscheidungsprozesse.

  • Technologieeinsatz: Für Millennials ist Technologie ein Werkzeug zur Effizienzsteigerung und Innovation – Boomer hingegen sehen sie oft als Notwendigkeit, die traditionelle Abläufe ergänzt.

  • Kommunikation: Millennials sind digital vernetzt und erwarten Transparenz sowie regelmäßiges Feedback. Boomer setzen eher auf persönliche Meetings und formelle Strukturen.

  • Karriereverständnis: Boomer definieren sich stark über ihren Beruf, während Millennials Arbeit und Privatleben bewusst trennen möchten.


Wie Familienunternehmen den Wandel gestalten können

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Familienunternehmen sich anpassen müssen, sondern wie. Folgende Strategien können helfen, den Generationswechsel erfolgreich zu gestalten:

  1. Flexible Karrierepfade schaffen: Millennials erwarten Entwicklungsmöglichkeiten, die nicht zwingend an klassische Hierarchien gebunden sind. Familienunternehmen sollten neue Rollenmodelle entwickeln, die mehr Freiraum für individuelle Karrierewege bieten.

  2. Hybride Führungskultur etablieren: Statt einem „Entweder-oder“-Ansatz sollte eine Führungskultur geschaffen werden, die bewährte Prinzipien mit modernen Methoden kombiniert. Mentorship-Programme zwischen Boomer-Führungskräften und Next-Gen-Leadern können diesen Wandel unterstützen.

  3. Technologische Transformation als Chance begreifen: Millennials bringen digitale Kompetenzen mit, die Familienunternehmen für Innovation und Wachstum nutzen können. Statt Widerstand sollten Boomer diesen Wandel aktiv begleiten.

  4. Beteiligungsmodelle überdenken: Wenn Millennials lieber selbst gründen als ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen, stellt sich die Frage: Wie können sie dennoch langfristig eingebunden werden? Beteiligungsmodelle und agile Führungsstrukturen könnten eine Antwort sein.

  5. Gemeinsame Werte als Bindeglied nutzen: Trotz aller Unterschiede gibt es ein gemeinsames Fundament: Familienunternehmen bieten Sinnhaftigkeit, Identität und eine langfristige Perspektive – Werte, die Millennials schätzen, wenn sie richtig kommuniziert werden.


Fazit: Wandel als Wettbewerbsvorteil nutzen

Der Generationswechsel ist keine Bedrohung, sondern eine einmalige Chance. Familienunternehmen, die es schaffen, die Stärken beider Generationen zu vereinen, werden langfristig wettbewerbsfähiger sein. Der Schlüssel liegt in einer neuen Form des Dialogs – einem Dialog, der nicht nur Unterschiede anerkennt, sondern sie gezielt in eine zukunftsfähige Unternehmenskultur integriert.

Die Zukunft gehört nicht einer einzelnen Generation – sie gehört denen, die es verstehen, die besten Elemente aus Tradition und Innovation zu vereinen.

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Hohenzollernstraße 102  |  80796 München  | 

c/o Hochschule München  |  Bayrische Spitzenprofessur für Transformation & Innovation in Familienunternehmen

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