CEO-Nachfolge spürbar besser machen
- Christian Schiede
- 21. März
- 3 Min. Lesezeit
Die Wahl des CEO ist für Familienunternehmen weit mehr als eine Personalentscheidung – sie bestimmt Wachstum, Stabilität und Familienzusammenhalt. Eine erfolgreiche Nachfolge braucht Strategie, Struktur und frühzeitige Planung. Wer die Unternehmenszukunft definiert, ein klares Anforderungsprofil erstellt und den Nachfolger systematisch entwickelt, vermeidet Fehler und sichert den Fortbestand über Generationen hinweg.
Der Wechsel des CEO ist für jedes Unternehmen ein kritischer Moment. In einem Familienunternehmen ist sie jedoch mehr als nur eine geschäftliche Entscheidung – sie ist ein tiefgreifender Einschnitt in die Unternehmensgeschichte und die Identität der Familie. Die richtige Person an der Spitze entscheidet über Wachstum, Beständigkeit und den langfristigen Zusammenhalt der Unternehmerfamilie.
Während es von außen betrachtet oft naheliegend scheint, ein talentiertes Familienmitglied oder eine bewährte Führungskraft aus dem Unternehmen zu wählen, ist die Realität deutlich komplexer. Ein falscher CEO kann ein Familienunternehmen aus der Bahn werfen – mit Konsequenzen, von denen sich manche nie erholen. Ein klar strukturierter, professionell begleiteter Nachfolgeprozess ist daher unerlässlich.
Nachfolge ist ein strategischer Prozess – keine spontane Entscheidung
Viele Unternehmensführer betrachten den CEO-Wechsel als einfachen Generationswechsel – eine Art „Staffelstab-Übergabe“. Doch die Realität zeigt: Nachhaltige Nachfolge gelingt nur, wenn sie als strategischer Prozess verstanden wird.
Ein durchdachter Nachfolgeplan beginnt Jahre im Voraus. Idealerweise gibt es eine mehrjährige Phase der Einarbeitung, Begleitung und Bewertung der potenziellen Kandidaten. In dieser Zeit wird sich zeigen, ob der Kandidat nicht nur fachlich überzeugt, sondern auch den Unternehmergeist der Familie lebt.
Doch nicht immer verläuft der Wechsel geordnet. Plötzliche Ereignisse wie Krankheit oder eine unerwartete Leistungsschwäche des aktuellen CEO können eine schnelle Entscheidung erfordern. Wer in solchen Momenten gut vorbereitet ist, sichert Stabilität – für das Unternehmen, die Mitarbeiter und die Familie.
Die häufigsten Fehler in der CEO-Nachfolge
Viele Familienunternehmen begehen die gleichen Denkfehler:
Die Nachfolge wird zu lange hinausgezögert. Der aktuelle CEO hält an der Macht fest, weil er keinen klaren Plan für seine eigene Zukunft hat. Die nächste Generation bleibt unvorbereitet.
Die Nachfolge wird aus einer falschen Fragestellung heraus angegangen. Oft steht am Anfang die Frage: „Welches meiner Kinder ist am besten geeignet?“ Doch sollte nicht zuerst geklärt werden: „Welchen CEO braucht unser Unternehmen in den kommenden Jahren?“
Emotionale Bindungen dominieren die Entscheidung. Die Nachfolge wird nicht nach Eignung entschieden, sondern nach Sympathie, Loyalität oder Tradition. Das kann für das Unternehmen verheerend sein.
Es wird kein unabhängiges Gremium einbezogen. Ohne einen professionell aufgestellten Beirat oder externe Berater bleibt die Nachfolge oft ein innerfamiliäres Ringen – mit ungewissem Ausgang.
Wie gelingt eine erfolgreiche CEO-Nachfolge?
Eine kluge CEO-Nachfolge orientiert sich an den zukünftigen Anforderungen des Unternehmens – nicht an der Vergangenheit.
Erfolgreiche Unternehmerfamilien stellen sich frühzeitig drei zentrale Fragen:
Was soll das Familienunternehmen in der nächsten Generation leisten?
Geht es nur um das Kerngeschäft oder auch um Immobilien, Beteiligungen oder philanthropische Aktivitäten?
Welche neuen Märkte oder Geschäftsmodelle könnten relevant werden?
Welche Fähigkeiten benötigt der nächste CEO?
Braucht das Unternehmen einen Bewahrer oder einen Transformator?
Welche Führungsqualitäten, welche Fachkompetenzen sind entscheidend?
Wie kann sich die Familie bestmöglich organisieren?
Welche Rolle soll die Familie in Zukunft einnehmen?
Ist ein familienexterner CEO eine bessere Option, um Neutralität und Professionalität zu gewährleisten?
Erst wenn diese Fragen klar beantwortet sind, kann ein geeigneter Kandidat identifiziert und auf die künftige Rolle vorbereitet werden.
Der Weg zur optimalen Lösung
Der ideale Nachfolgeprozess folgt einem klaren, strukturierten Ablauf:
Vision der Familie definieren: Welche langfristigen Ziele hat die Familie für das Unternehmen?
Anforderungsprofil für den CEO entwickeln: Welche Kompetenzen, Eigenschaften und Erfahrungen sind erforderlich?
Potenzielle Kandidaten identifizieren und entwickeln: Dies kann sowohl interne als auch externe Optionen umfassen.
Einen strukturierten Auswahlprozess aufsetzen: Objektive Bewertungskriterien und eine transparente Entscheidungsfindung sind essenziell.
Nachfolger gezielt vorbereiten: Durch gezielte Entwicklungsmaßnahmen wird der Kandidat systematisch auf seine künftige Rolle vorbereitet.
Den Wechsel aktiv begleiten: Die Übergabe ist kein punktueller Moment, sondern ein dynamischer Prozess.
Ein Beirat oder ein unabhängiges Expertengremium kann diesen Prozess begleiten, um Neutralität zu gewährleisten und eine faktenbasierte Entscheidung zu ermöglichen.
Eine gut geplante Nachfolge sichert die Zukunft
Nachfolge ist nicht nur eine Frage der Personalentscheidung – sie ist eine strategische Weichenstellung für die Zukunft des Unternehmens. Erfolgreiche Familienunternehmen betrachten sie als kontinuierlichen Prozess, der weit über den bloßen CEO-Wechsel hinausgeht.
Wer den Wechsel systematisch vorbereitet, seine Optionen klug abwägt und die Familie als Team einbindet, sichert nicht nur den Unternehmenserfolg, sondern auch den Zusammenhalt über Generationen hinweg.
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