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Das Familienunternehmen professionalisieren: Es ist nicht das, was Sie denken

Professionalisierung bedeutet für Familienunternehmen mehr als familienfremde Führung: Es geht um klare Strukturen, leistungsbasierte Entscheidungen und langfristige Werte. Sechs Prinzipien – von Talentförderung über Governance bis zu Unternehmenskultur – machen ein Unternehmen wirklich professionell. Der Schlüssel liegt nicht in der Herkunft der Führungskräfte, sondern in Haltung, Kompetenz und Struktur. Erfolgreiche Familienunternehmen kombinieren Tradition mit exzellentem Management.

 

Professionalisierung ist mehr als ein Managementwechsel

Viele Familienunternehmen stehen irgendwann vor der Frage: Wie professionalisieren wir unser Unternehmen? Häufig wird dies mit dem Wechsel von der familiären zur familienfremden Führung gleichgesetzt. Doch dieser Gedanke greift zu kurz. Professionalität ist kein Synonym für externe Manager – und eine familiengeführte Organisation ist nicht automatisch unprofessionell.


Ein Unternehmen ist dann professionell, wenn es hohe Leistungs- und Ethikstandards in seiner Unternehmenskultur verankert. Das geschieht durch klare Governance-Strukturen, konsequente Talentförderung und eine langfristige, wertebasierte Unternehmensführung.

Was macht ein Unternehmen wirklich professionell?

Ein professionelles Familienunternehmen zeichnet sich nicht durch familienfremde Führung aus, sondern durch:

  • Klar definierte Regeln und Ziele: Ein transparentes Steuerungssystem, das Leistung bewertet und belohnt.

  • Eine konsequente Leistungskultur: Entscheidungen basieren auf Kompetenz, nicht auf Verwandtschaftsverhältnissen.

  • Verantwortungsbewusste Führung: Eine Unternehmenskultur, die Leistung fördert und Unternehmenswerte lebt.

  • Fairness und Konsistenz: Klare Spielregeln für Einstellung, Beförderung und Vergütung.


Vetternwirtschaft oder strategischer Vorteil?

Die Bevorzugung von Familienmitgliedern wird oft kritisch gesehen – aber: Wenn sich ein Familienmitglied als beste Besetzung für eine Schlüsselrolle herausstellt, ist es eine strategische Entscheidung, kein Zeichen von Vetternwirtschaft. Familienangehörige können durch tiefere Unternehmensbindung, langfristiges Denken und Stakeholder-Management besondere Stärken einbringen.


Entscheidend ist, dass jede Führungskraft – ob aus der Familie oder nicht – nach den gleichen professionellen Maßstäben bewertet wird.

Die sechs Säulen der Professionalität in Familienunternehmen

Um nachhaltig erfolgreich zu sein, müssen Familienunternehmen sechs zentrale Prinzipien der Professionalität verankern:

1. Die besten Talente gewinnen und entwickeln

Familienunternehmen sollten sowohl familieninterne als auch externe Talente fördern. Die Führung sollte auf Kompetenz, nicht Herkunft basieren. Eine klare Nachfolgeplanung verhindert Kompetenzlücken.


2. Entscheidungsfähigkeit sicherstellen

Ein Unternehmen, das sich selbst blockiert, verliert. Familienunternehmen müssen Mechanismen schaffen, um strategische Entscheidungen zeitnah und effizient zu treffen – z. B. durch professionelle Beiräte.


3. Disziplin und Engagement in der Familie fördern

Die Familie als Gesellschaftergruppe sollte sich über ihre Verantwortung im Klaren sein und sich aktiv für das Unternehmen engagieren – ohne in das operative Geschäft einzugreifen. Ein Familienkodex kann helfen.


4. Führungshierarchie respektieren, Mitarbeiter befähigen

Professionelle Organisationen setzen auf Vertrauen statt Mikromanagement. Führung bedeutet, Verantwortung zu delegieren und Teams in die Lage zu versetzen, eigenständig Entscheidungen zu treffen.


5. Systeme für Fairness und Leistung schaffen

Ein Unternehmen benötigt objektive Leistungsbewertungsmechanismen und ein transparentes Vergütungssystem. Familienmitglieder müssen den gleichen Maßstäben unterliegen wie externe Führungskräfte.


6. Die Grundwerte des Unternehmens bewahren

Professionalität bedeutet auch, an den zentralen Unternehmenswerten festzuhalten. Familienunternehmen haben hier oft einen Vorteil: Ihre DNA basiert auf langfristigem Denken und einer starken Unternehmenskultur.


Professionalität ist eine Haltung, keine Organisationsform

Familiengeführt oder familienfremd geleitet? Diese Frage ist zweitrangig. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen seine Governance und Führungskultur so gestaltet, dass sie den höchsten Leistungs- und Ethikstandards entspricht.

Familienunternehmen müssen sich von der Vorstellung lösen, dass Professionalität mit der Abgabe von Kontrolle einhergeht. Vielmehr bedeutet sie, klare Strukturen, messbare Kriterien und eine wertorientierte Führung zu etablieren. Der Schlüssel: Nicht die Herkunft entscheidet über Professionalität, sondern Haltung, Kompetenz und Struktur.

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