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Die Ironie der Gründernachfolge: Warum der Erfolg von gestern die Zukunft gefährden kann

Gründer erschaffen Unternehmen – doch ihre Erfolgsprinzipien können die Nachfolge gefährden. Strukturen, die alles auf eine Person ausrichten, stehen einer zukunftssicheren Übergabe im Weg. Die Lösung? Der Wandel vom Gründer-zentrierten Modell zur professionellen Organisation. Wer früh Verantwortung teilt, klare Governance-Strukturen etabliert und den Gründer in eine neue Rolle führt, sichert sein Erbe nachhaltig.

 

Die größte Herausforderung für ein Familienunternehmen ist nicht der Aufbau – sondern die Weitergabe. Die Ironie dabei? Das, was einen Gründer erfolgreich gemacht hat, wird sein Unternehmen in der nächsten Generation vermutlich scheitern lassen. Wer die Zukunft sichern will, muss die Spielregeln ändern. Doch wie gelingt das?


Die Denkweise eines Gründers verstehen – und überwinden

Gründer sind Pioniere. Sie sind unermüdlich, kreativ, kompromisslos. Sie setzen Trends, die andere übersehen, und verwandeln Visionen in Realität. Dabei organisieren sie ihr Unternehmen oft in einem „Hub-and-Spokes“-Modell:

Alle Fäden laufen bei ihnen zusammen, sie treffen die Entscheidungen, sie lenken das Geschäft.

Das ist hocheffizient – solange der Gründer an Bord ist. Doch was passiert, wenn er sich zurückzieht?

  1. Die Organisation ist abhängig von einer Person. Wichtige Beziehungen, Know-how und Entscheidungswege hängen allein vom Gründer ab.

  2. Es gibt keine natürliche Nachfolge. Kein Nachfolger kann oder sollte ein reines Abbild des Gründers sein.

  3. Ein Geschwisterteam als Ersatz ist riskant. Mehrere Nachfolger in einer Struktur, die auf eine Einzelperson zugeschnitten war, führen fast zwangsläufig zu Konflikten.


Kurz gesagt: Die Strukturen, die einen Gründer groß gemacht haben, stehen einer erfolgreichen Übergabe im Weg. Wer langfristig denkt, muss umdenken.


Vom Gründer-zentrierten Unternehmen zur zukunftssicheren Organisation


Der Schlüssel liegt im Wandel der Organisationsstruktur – vom „Speichen“-Modell zum Pyramidenmodell.

Die Pyramidenstruktur ermöglicht:

  • Geteilte Verantwortung. Entscheidungsprozesse werden systematisch auf mehrere Schultern verteilt.

  • Stabilität durch Systeme. Prozesse, Rollen und Verantwortlichkeiten werden definiert, sodass das Unternehmen unabhängig von Einzelpersonen funktioniert.

  • Transparenz und Karriereperspektiven. Mitarbeitende erkennen Entwicklungsmöglichkeiten und können sich gezielt einbringen.

  • Professionalisierung der Unternehmensführung. Ein starkes Führungsteam ersetzt die Gründer-zentrierte Steuerung.


Doch der Wechsel zum Pyramidenmodell ist kein Selbstläufer. Unternehmen müssen sich bewusst auf diese Transformation vorbereiten.


Wichtige Maßnahmen für eine gelungene Nachfolge

  • Frühzeitig Strukturen für geteilte Führung schaffen. Rollen und Entscheidungsprozesse müssen unabhängig vom Gründer funktionieren.

  • Management-Talente im Unternehmen aufbauen und stärken. Eine kompetente zweite Führungsebene ist entscheidend.

  • Ein starkes Governance-Modell etablieren. Klare Regeln für Eigentum, Führung und Entscheidungsprozesse verhindern Konflikte.

  • Den Gründer gezielt in eine neue Rolle überführen. Statt heimlicher Kontrolle sollte er als strategischer Mentor wirken.

  • Familiengespräche führen. Die emotionale Seite der Nachfolge ist genauso wichtig wie die organisatorische.


Die ultimative Prüfung für Gründer

Die wohl schwerste Aufgabe für einen Gründer ist es, „sein Baby“ loszulassen. Doch wahre Größe zeigt sich nicht im Festhalten, sondern in der Fähigkeit, ein Vermächtnis zu übergeben, das Bestand hat.

Ein kluger Gründer versteht: Sein Erfolg misst sich nicht nur daran, was er aufgebaut hat, sondern auch daran, ob sein Unternehmen ohne ihn weiter wächst.
Die nächste Generation will nicht nur bewahren – sie will gestalten. Wer als Gründer mutig genug ist, diesen Wandel zu ermöglichen, sichert nicht nur die Zukunft des Unternehmens, sondern auch sein eigenes Erbe. Die beste Gründernachfolge ist die, die eine starke Zukunft schafft – nicht nur eine starke Vergangenheit bewahrt.

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