Es ist nie zu früh, mit der Nachfolgeplanung zu beginnen
- Christian Schiede
- 22. März
- 3 Min. Lesezeit
Die Nachfolge in Familienunternehmen ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein strategischer Prozess. Wer nachhaltig plant, sichert wirtschaftliche Stabilität und bewahrt Unternehmenskultur.
Erfolgreiche Nachfolger wachsen schrittweise in ihre Rolle hinein, übernehmen früh Verantwortung und gestalten den Übergang aktiv.
Nachfolge ist eine Chance, um Werte zu stärken, Innovationen zu fördern und die Zukunft des Unternehmens langfristig zu sichern.
Warum Nachfolge kein kurzfristiges Projekt ist
Eine Freundin berichtete uns kürzlich von einem unerwarteten Todesfall in ihrer Unternehmerfamilie. Der Verlust war schmerzhaft, doch es gab einen kleinen Trost: Die Nachfolgeregelung war klar, alles war geregelt. Genau das ist der Unterschied zwischen strategischer Planung und reaktiver Krisenbewältigung.
Viele Unternehmer stellen sich irgendwann die Frage:
„Wann soll ich mit meiner Nachfolgeplanung beginnen?“
Die Antwort ist einfach: Jetzt.
Wer frühzeitig entscheidet, wie das Unternehmen über Generationen hinweg geführt werden soll, sichert nicht nur die wirtschaftliche Zukunft der Familie, sondern auch den Erhalt der Unternehmenskultur.
Der erste Schritt: Die nächste Generation einbinden
Erfolgreiche Familienunternehmer beginnen nicht erst mit der Vorbereitung, wenn der Wechsel unausweichlich wird. Sie gestalten den Übergang aktiv und über Jahre hinweg.
Spitzenfamilien legen Wert darauf, dass ihre Kinder früh mit dem Unternehmen in Berührung kommen:
Einblicke in den Betrieb: Besuche in der Produktion, Gespräche mit Mitarbeitern oder kleine Aufgaben im Unternehmen vermitteln ein erstes Verständnis für Strukturen und Werte.
Verantwortung übernehmen: Praktika, kleinere Projekte oder Entscheidungsfindungen – vom Logo-Design bis zur Produktauswahl – ermöglichen eine frühe Identifikation mit dem Familienunternehmen.
Familiengeschichte lebendig halten: Unternehmerische Leidenschaft wird oft nicht durch PowerPoint-Präsentationen vermittelt, sondern durch Geschichten und erlebte Traditionen.
Regina, Unternehmerin in vierter Generation, erinnerte sich, wie ihr Großvater ihr das Familienerbe mit einem einfachen Bild näherbrachte:
„Wenn du den Zuckerrohrsirup riechst, wirst du ihn nicht vergessen. Das wird in dein Blut und dein Herz gelangen.“
Diese emotionale Bindung sorgt dafür, dass Unternehmensnachfolge nicht als Bürde, sondern als Verantwortung empfunden wird.
Training für die Führung: Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Ein Familienunternehmen zu leiten, ist ein Mannschaftssport. Niemand wird über Nacht zum Weltklasse-Athleten – genauso wenig wird jemand ohne Vorbereitung zum erfolgreichen Unternehmer.
Die nächste Generation muss üben, gemeinsam Entscheidungen zu treffen, Konflikte zu lösen und Verantwortung zu übernehmen. Das geschieht nicht im Vorstandszimmer, sondern in alltäglichen Situationen:
Gemeinsame Projekte: Vom ersten eigenen Produktlaunch bis zur Organisation eines Familienevents – Zusammenarbeit schafft Vertrauen.
Strukturierte Übungsfelder: Ein Familienrat, regelmäßige Strategieworkshops oder simulierte Krisenszenarien helfen, Entscheidungsfähigkeit zu entwickeln.
Interne Kommunikation stärken: Wer als Familie nicht miteinander reden kann, wird auch im Unternehmen keine Lösungen finden.
Ein CEO, der das Unternehmen von seinem Vater übernommen hatte, formulierte es treffend:
„Wir haben 40 Jahre zusammengearbeitet, aber nie gelernt, wie man zusammenarbeitet.“
Eine bewusste Nachfolgeplanung stellt sicher, dass genau das nicht passiert.
Nachfolge als Chance statt als Risiko begreifen
Die Vorbereitung auf einen Generationenwechsel ist nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch eine Möglichkeit, das Unternehmen zukunftsfähig zu gestalten. Erfolgreiche Unternehmer nutzen diesen Prozess, um:
Unternehmenswerte und Visionen zu reflektieren
Neue Impulse aus der nächsten Generation aufzugreifen
Innovative Geschäftsmodelle und Strategien zu entwickeln
Nachfolge bedeutet nicht, einen Klon des Gründers zu erschaffen. Vielmehr geht es darum, eine stabile Grundlage für nachhaltige Entscheidungen zu legen – unabhängig davon, ob die nächste Generation operativ tätig wird oder als verantwortungsvolle Gesellschafter agiert.
Unternehmer tun: Es gibt nicht's gutes, außer man tut es gilt auch für die Nachfolge
Wer will, dass sein Unternehmen auch in der nächsten Generation erfolgreich bleibt, muss frühzeitig die Weichen stellen. Eine gute Nachfolgeplanung geschieht nicht über Nacht – sie ist das Ergebnis kontinuierlicher Arbeit, gezielter Vorbereitung und gelebter Verantwortung.
Denn am Ende ist es wie im Sport: Die besten Teams haben nicht nur starke Einzelspieler, sondern auch eine klare Strategie für die Zukunft.
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