Fortsetzung folgt: Der gefährliche Nachfolge-Irrtum von Familienunternehmen
- Christian Schiede
- 22. März
- 2 Min. Lesezeit
Nachfolge ist kein Automatismus. Viele Familienunternehmen übersehen, dass neue Generationen nicht einfach alte Erfolgsrezepte fortschreiben können. Ohne strategische Planung, externe Perspektiven und flexible Entwicklung gefährdet die Übergabe sowohl den Unternehmenserfolg als auch den Familienfrieden. Dieser Beitrag zeigt, wie Familienunternehmen Nachfolge richtig gestalten – mit fünf essenziellen Prinzipien für eine zukunftsfähige Führung.
Wenn der Übergang zur nächsten Generation zum Risiko wird
Hans Berger* stand am Vorabend seines 35. Geburtstags vor dem Büro seines Vaters – bereit, die Zukunft des Familienunternehmens zu übernehmen. Seine Ausbildung, Karriere und Ambitionen hatten ihn genau hierhin geführt. Sein Vater verkündete mit Stolz: Hans wird neuer CEO. Eine klassische Fortsetzung der Familiengeschichte.
Doch was wie ein triumphaler Übergang begann, endete in Desaster.
Wie konnte es so weit kommen? Weil Familienunternehmen oft einer gefährlichen Illusion erliegen: der Vorstellung, dass Nachfolge einfach eine Fortsetzung ist.
Der Fortsetzungs-Irrtum
Hollywood liebt Fortsetzungen. Bewährte Kulissen, vertraute Figuren – sie versprechen Erfolg mit minimalem Risiko. Doch auch in der Filmindustrie gibt es legendäre Flops, weil sie die falsche Annahme treffen: Was einmal funktioniert hat, muss erneut funktionieren.
Familienunternehmen tappen oft in die gleiche Falle. Sie setzen auf Kontinuität und übersehen dabei, dass sich Markt, Unternehmensstruktur und Familienkonstellationen verändern. Was für den Vater oder Großvater funktionierte, kann die nächste Generation in eine Sackgasse führen.
Hans führte das Unternehmen nach den Regeln seines Vaters weiter – und scheiterte. Seine autarken Entscheidungen entfremdeten ihn von seinen Geschwistern, führten zu internen Konflikten und letztlich zu rechtlichen Auseinandersetzungen.
Das ist kein Einzelfall. Unternehmen, die Nachfolge als Automatismus betrachten, gefährden nicht nur ihren wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch den Familienfrieden.
Wie Familienunternehmen Nachfolge strategisch gestalten sollten
Glück allein schützt nicht vor Fehlentwicklungen. Eine erfolgreiche Übergabe erfordert aktives Gestalten.
Dabei helfen fünf zentrale Prinzipien:
1. Die veränderte Dynamik verstehen
Familien wachsen, Beziehungen verändern sich, externe Einflüsse nehmen zu. Wer die Nachfolgeplanung ernst nimmt, muss regelmäßig die Strukturen und Bedürfnisse der Familie und des Unternehmens analysieren.
2. Den Blick über den Tellerrand wagen
Erfolgreiche Unternehmerfamilien holen sich externe Perspektiven. Andere Familienunternehmen, Berater oder Mentoren helfen, blinde Flecken zu identifizieren und tragfähige Modelle für die Zukunft zu entwickeln.
3. Tradition würdigen – aber nicht daran kleben
Vergangene Entscheidungen hatten ihren Sinn. Doch sie dürfen nicht zu Dogmen werden. Wer strategisch denkt, stellt die Frage: „Wie würden wir es machen, wenn wir heute neu anfangen könnten?“ Tradition ist ein Leitfaden, kein Gesetz.
4. Nachfolge nicht zu früh festschreiben
Ein Nachfolger sollte sich entwickeln dürfen – und nicht als Teenager in eine vorbestimmte Rolle gedrängt werden. Nachfolge ist ein flexibler Prozess, kein vor Jahrzehnten festgeschriebener Plan.
5. Kommunikation ist alles
Nachfolge betrifft Familie, Unternehmen und Eigentümer. Wenn diese Gruppen nicht offen sprechen, entstehen Missverständnisse und Konflikte. Regelmäßige Gespräche, transparente Entscheidungsprozesse und gemeinsame Visionen sind der Schlüssel.
Nachfolge als Regiearbeit – statt blindem Sequel
Marvel hat über Jahrzehnte hinweg erfolgreiche Fortsetzungen geschaffen, indem sie neue Helden entwickelten, alte Strukturen hinterfragten und den Kontext anpassten. Familienunternehmen brauchen denselben Ansatz.
Nachfolge ist kein „Copy-Paste“-Prozess. Sie ist eine Neugestaltung mit Respekt für die Vergangenheit und Blick in die Zukunft. Haben Sie eine Strategie für Ihre Unternehmensnachfolge? Oder setzen Sie unbewusst auf eine riskante Wiederholung?
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