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Neue Ufer: Praktiken unternehmerischer Familien

Die Zukunft unternehmerischer Familien hängt nicht vom Bewahren, sondern vom aktiven Gestalten ab. Sechs Erfolgspraktiken helfen, Unternehmen und Familie strategisch aufzustellen: Perspektivenwechsel, Investitionsmut, Technologiekompetenz, Experimentierkultur, generationenübergreifende Zusammenarbeit und gesellschaftliche Verantwortung. Wer sich diesen Herausforderungen stellt, bleibt nicht nur relevant, sondern sichert langfristig die Zukunft des Familienunternehmens.


 

Ist Ihre Familie wirklich auf die Zukunft vorbereitet?


Die Welt verändert sich rasant – technologische Disruptionen, geopolitische Unsicherheiten, wirtschaftliche Umbrüche und gesellschaftliche Spannungen prägen unser Umfeld. Unternehmerische Familien müssen sich diesen Herausforderungen nicht nur stellen, sondern sie aktiv gestalten. Sie müssen widerstandsfähig, anpassungsfähig und strategisch vorausschauend sein.


Doch welche Prinzipien machen eine unternehmerische Familie zukunftsfähig? Die folgenden sechs Erfolgspraktiken zeigen, wie Sie Ihr Unternehmen und Ihre Familie nachhaltig aufstellen.


1. Perspektivenwechsel: Den Überblick gewinnen

Familienunternehmen sind oft stark operativ geprägt – mit vollem Fokus auf den Tagesbetrieb. Doch nachhaltiger Erfolg erfordert den regelmäßigen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Wo entstehen neue Chancen? Welche Risiken kündigen sich an? Welche Megatrends bestimmen unsere Märkte?


Ein CEO eines großen Familienunternehmens brachte es auf den Punkt:

„Wenn alle nur die Maschine am Laufen halten, schauen wir nur auf inkrementelle Verbesserungen – aber nicht auf die wirklich großen Chancen.“

Die Lösung: Unternehmerfamilien müssen sich gezielt mit Vordenkern, Innovatoren und unabhängigen Experten austauschen. Familienräte und Eigentümerforen sollten strategische Fragen diskutieren. Internationale Lernreisen und die Integration externer Sparringspartner können helfen, blinde Flecken zu eliminieren. Nur mit diesem Weitblick lässt sich langfristige Wertschöpfung sicherstellen.


2. Verwaltertum neu denken: Nicht alles bewahren – sondern gezielt investieren

Der klassische Anspruch an Unternehmerfamilien lautet: Bewahren und Weitergeben. Doch wahre Verantwortung bedeutet nicht, an Altbewährtem festzuhalten, sondern das Familienvermögen aktiv in die Zukunft zu führen.


Dafür braucht es die Bereitschaft, sich von Geschäftsfeldern, Beteiligungen oder auch Führungspersonen zu trennen, die nicht mehr zum zukünftigen Erfolg beitragen.

Familien, die es schaffen, sich als langfristige Kapitalmanager und Impulsgeber zu verstehen, statt als Verwalter eines statischen Erbes, haben den entscheidenden Vorteil.

Ein Beispiel: Die deutsche Unternehmerfamilie Schaeffler dominierte einst mit Kugellagern für Verbrennungsmotoren. Doch der rasante Wandel zur Elektromobilität stellte das Geschäftsmodell infrage. Wer nicht frühzeitig umdenkt, zahlt einen hohen Preis. Die neue Generation muss heute den Mut haben, das Portfolio radikal zu hinterfragen.


3. Technologie als zentrale Kompetenz etablieren

Die Geschwindigkeit technologischer Umwälzungen hat sich exponentiell erhöht. Während der Übergang von Dampfmaschinen zu Elektrizität ein Jahrhundert dauerte, hat sich die Zeitspanne für Innovationen drastisch verkürzt. Künstliche Intelligenz, Blockchain, Automatisierung – wer hier nicht mitzieht, verliert.


Unternehmerfamilien haben oft eine natürliche Skepsis gegenüber disruptiven Veränderungen. Doch genau hier liegt die Herausforderung: Technologie darf kein Randthema sein, sondern muss strategisch in der Unternehmensführung verankert werden.

Drei konkrete Schritte für Familienunternehmen:

  1. Technologie-Scouting etablieren: Wo entstehen Innovationen, die Ihr Geschäftsmodell bedrohen oder verbessern können?


  2. Technologische Bildung priorisieren: Nicht nur in der operativen Führung, sondern auch in Eigentümerkreisen.


  3. Gezielte Partnerschaften mit Tech-Startups eingehen: So lässt sich der eigene Transformationsprozess beschleunigen.


4. Experimentierkultur fördern – statt Stillstand verwalten

Viele Familienunternehmen haben sich in einer komfortablen, aber gefährlichen Stabilität eingerichtet. Doch Stillstand ist keine Option. Wer zukunftsfähig sein will, muss testen, anpassen, optimieren – und auch scheitern dürfen.


Start-ups agieren nach dem Prinzip: Kleine Experimente wagen, schnelle Learnings ziehen, gezielt skalieren. Unternehmerfamilien sollten diese Denkweise übernehmen – sei es durch eigene Innovationsprojekte, Beteiligungen an jungen Unternehmen oder gezieltes Prototyping.

Beispiel: Cox Enterprises, ein traditionsreiches Familienunternehmen in den USA, experimentierte früh mit digitalen Geschäftsmodellen. Die Plattform Autotrader.com startete als Testprojekt – heute ist sie ein Milliardenunternehmen.

Frage an unternehmerische Familien: Wo gibt es in Ihrem Unternehmen Raum für Experimente?


5. Generationenübergreifende Zusammenarbeit aktiv gestalten

Erfolgreiche Unternehmerfamilien verstehen sich nicht als starre Hierarchien, sondern als generationenübergreifende Kompetenzgemeinschaften. Die ältere Generation bringt Erfahrung und strategische Weitsicht ein. Die Jüngeren kennen neue Technologien, Märkte und Kundenbedürfnisse.


Doch zu oft findet dieser Dialog nicht auf Augenhöhe statt. Das Ergebnis: Die ältere Generation verwaltet, die jüngere fühlt sich übergangen. Die besten Familienunternehmen setzen hier bewusst auf strukturierten Austausch, gemeinsame Entscheidungsprozesse und ein klar definiertes Leadership Sharing.


Konkret bedeutet das:

  • Gemeinsame Investitionsgremien, in denen mehrere Generationen vertreten sind.

  • Next-Gen-Boards, die gezielt neue Impulse in die Strategiearbeit einbringen.

  • Innovationsbudgets, mit denen die nächste Generation eigenverantwortlich experimentieren kann.


6. Gesellschaftliche Verantwortung als integralen Bestandteil der Strategie begreifen

Die Erwartungen an Unternehmerfamilien haben sich verändert. Gesellschaftlicher Einfluss, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sind längst kein Nice-to-have mehr – sie sind strategische Notwendigkeit.


Ob Klima, Gleichberechtigung oder soziale Gerechtigkeit: Familienunternehmen haben die Möglichkeit, echte Veränderung zu gestalten. Die neue Generation fordert das nicht nur – sie erwartet es.


Beispiele für wirkungsvolle Strategien:

  • Impact Investing: Kapital gezielt in Projekte lenken, die neben finanzieller Rendite auch gesellschaftlichen Nutzen stiften.

  • ESG (Environmental, Social, Governance) fest in die Unternehmensstrategie integrieren.

  • Nachhaltigkeitskennzahlen nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Eigentümerfamilie definieren.


Eine Familie, die gesellschaftlichen Impact mit wirtschaftlichem Erfolg verbindet, baut nicht nur ein stabiles Unternehmen, sondern auch eine starke Identität über Generationen hinweg.


Zukunft gestalten statt Zukunft verwalten

Unternehmerische Familien, die erfolgreich bleiben wollen, müssen umdenken. Sie dürfen sich nicht auf der Vergangenheit ausruhen, sondern müssen sich den Herausforderungen mit einer aktiven, gestaltenden Haltung stellen.

Die sechs vorgestellten Prinzipien sind keine abstrakten Konzepte – sie sind klare Handlungsanweisungen. Die Zukunft gehört jenen Familien, die den Mut haben, aktiv neue Wege zu beschreiten.

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c/o Hochschule München  |  Bayrische Spitzenprofessur für Transformation & Innovation in Familienunternehmen

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