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Pandoras-Box: unbeabsichtigten Folgen im Estate-Planning

Unternehmerfamilien kämpfen mit unbeabsichtigten Folgen der Eigentumsübertragung und des Führungswechsels.
Gut gemeinte, aber schlecht umgesetzte Estate-Planning-Strategien führen zu Blockaden, entmachteten Nachfolgern oder entfremdeten Erben.
Drei Praxisbeispiele zeigen: Steuerliche Optimierung allein reicht nicht – strategische Klarheit und familieninterne Kommunikation sind entscheidend. Wer die richtigen Fragen stellt, sichert nicht nur die Eigentumsstruktur, sondern die Zukunft des Unternehmens.

 

Ein Familienunternehmen über Generationen hinweg erfolgreich zu führen, ist eine der anspruchsvollsten Herausforderungen der Wirtschaftswelt. Neben strategischen und operativen Fragen spielen insbesondere emotionale und familiendynamische Aspekte eine zentrale Rolle. Entscheidungen zur Eigentumsübertragung sind dabei oft nicht nur finanzielle, sondern auch psychologische und strukturelle Weichenstellungen, die weitreichende Auswirkungen auf die Unternehmenszukunft haben.


Wenn gut gemeint nicht gut gemacht ist

Hochqualifizierte Anwälte und Steuerexperten helfen Familienunternehmen, Nachfolge- und Eigentumsübertragungspläne zu entwickeln, die viele steuerliche und rechtliche Vorteile bieten. Doch allzu oft werden unbeabsichtigte Folgen dieser Pläne erst später sichtbar: Gremien, die Entscheidungsfindungen blockieren, unklare Verantwortlichkeiten oder ein diffuses Machtgefüge, das Konflikte zwischen den Erben schürt.


Unsere Erfahrung zeigt: Ein Übergabeplan, der steuerlich optimiert ist, aber die strategischen und operativen Möglichkeiten des Unternehmens einschränkt, führt langfristig immer zum Gegenteil des angestrebten Erfolges.

Drei reale Szenarien: Lehren aus der Praxis

1. Gleichheit als Stolperstein: Die Blockade durch gleiche Anteile

Johann, ein erfolgreicher Logistikunternehmer, wollte seine fünf Kinder finanziell gleichstellen und übertrug ihnen gleiche Anteile ohne Stimmrecht. Doch diese Gleichbehandlung führte nicht zu Fairness, sondern zu einer operativen Sackgasse: Ein Sohn leitete das Unternehmen, die anderen vier hatten keinen Bezug dazu. Konflikte um Dividenden, Gehaltsstrukturen und strategische Entscheidungen blockierten den Betrieb. Die Lösung? Die Einrichtung eines Gesellschafterausschusses mit klaren Regeln, um Entscheidungsprozesse zu professionalisieren.


2. Vertrauensstrukturen ohne Kontrolle: Entmachtete Nachfolger

Drei Brüder führten das Bekleidungsunternehmen ihres verstorbenen Vaters mit großem Erfolg weiter. Doch ihre juristisch ausgeklügelte Nachfolgestruktur hielt eine unerwartete Überraschung bereit: Ihre Kinder, die als nächste Generation die Firma hätten übernehmen sollen, hatten keinerlei Stimmrechte – alle Anteile waren in einer Stiftung gebündelt, die nur durch externen Treuhändern kontrolliert wurde. Die Familie musste die Vertragsstruktur anpassen, um sicherzustellen, dass die dritte Generation überhaupt eine aktive Rolle im Unternehmen einnehmen konnte.


3. Schutzmechanismen, die Entfremdung fördern

Ein Unternehmerpaar hatte großen Wert darauf gelegt, dass ihre Kinder nicht in Vetternwirtschaft abdriften. Sie hielten sie bewusst aus der Unternehmensführung heraus und verhinderten Einsicht in Unternehmensprozesse. Das Ergebnis? Die nächste Generation hatte keinerlei emotionale Bindung zum Unternehmen und plante, es bei der erstbesten Gelegenheit zu verkaufen. Erst durch frühzeitige Einbindung, Schulungen und die gezielte Förderung eines unternehmerischen Selbstverständnisses konnte eine Wendung erreicht werden.


Die richtigen Fragen stellen, bevor es zu spät ist

Eine tragfähige Strategie zur Eigentumsübertragung muss nicht nur juristischen und steuerlichen Anforderungen genügen, sondern auch die langfristige Überlebensfähigkeit des Familienunternehmens stärken.

Folgende Fragen helfen, Stolperfallen zu vermeiden:

  • Ermöglicht der Plan eine effektive Unternehmensführung durch die Nachfolger?

  • Gibt es klare Entscheidungsmechanismen und eine funktionsfähige Gremienorganisation?

  • Sind sich die Erben über ihre (gemeinsamen) Ziele für das Unternehmen im Klaren?

  • Gibt es einen Mechanismus zur Konfliktlösung innerhalb der Gesellschafterfamilie?

  • Erhält die nachfolgende Generation ausreichend Gelegenheit und Mittel, sich auf ihre Rolle als Eigentümer oder Führungskräfte vorzubereiten?


Eigentum muss gestaltbar bleiben

Ein steuerlich optimierter Übertragungsplan kann zur Falle werden, wenn er die betriebliche Handlungsfähigkeit zu stark einschränkt. Die Zukunft jedes Familienunternehmens darf weder dem Zufall oder juristischen Formalitäten überlassen werden.


Unsere Erfahrung zeigt: Erfolgreiche Nachfolge braucht Klarheit, Kommunikation und strategische Flexibilität - dies gilt umso mehr, je volatiler die Märkte sind.

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c/o Hochschule München  |  Bayrische Spitzenprofessur für Transformation & Innovation in Familienunternehmen

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