Routinen erfolgreicher Unternehmerfamilien
- Christian Schiede
- 20. März
- 3 Min. Lesezeit
Der Erfolg von Unternehmerfamilien ist kein Zufall – er basiert auf bewusst gelebten Routinen. Unternehmen stehen über Familieninteressen, Wohlstand bleibt Mittel statt Zweck, finanzielle Unabhängigkeit wird gefördert. Diversifikation schützt vor Krisen, klare Governance verhindert interne Zerstörung. Wer langfristig bestehen will, muss harte Entscheidungen treffen. Der einfache Weg führt zum Zerfall – nur Disziplin schafft Dauerhaftigkeit.
Warum scheitern so viele Unternehmerfamilien an der dritten Generation – und wie kann man es besser machen?
Unternehmerfamilien stehen vor einer paradoxen Herausforderung: Ihr Erfolg kann ihre größte Bedrohung werden. Das Sprichwort „Von Hemdsärmeln zu Hemdsärmeln in drei Generationen“ beschreibt ein Muster, das weltweit beobachtet wird. Der Wohlstand und das Wachstum eines Familienunternehmens führen oft zu einer Entfremdung von den Prinzipien, die es einst erfolgreich gemacht haben. Meine Forschung zeigt: Es gibt tief verwurzelte Mechanismen, die Unternehmerfamilien über Generationen hinweg herausfordern.
Doch während diese „Naturgesetze“ der Degeneration universell sind, gibt es Familien, die sie überwinden. Sie tun dies nicht durch Zufall oder Glück, sondern durch konsequente, bewusst gelebte Gewohnheiten, die gegen den natürlichen Trend arbeiten. Diese Gewohnheiten sind unbequem. Sie verlangen Disziplin, harte Entscheidungen und einen langfristigen Blick – doch sie machen den Unterschied zwischen Vergänglichkeit und generationenübergreifendem Erfolg.
1. Das Unternehmen geht vor – immer
Ein Unternehmen kann nur dann langfristig überleben, wenn es finanziell gesund bleibt. Doch Familien wachsen schneller als Unternehmen. Das bedeutet, dass mit jeder Generation mehr Erben hinzukommen, die oft Anspruch auf Dividenden und finanzielle Leistungen erheben. Die Gefahr: Kapital wird aus dem Unternehmen gezogen, um den Lebensstil der Familie zu finanzieren, bis die „Goldene Gans“ keine Eier mehr legt.
Erfolgreiche Unternehmerfamilien folgen daher einer klaren Regel:
Das Unternehmen steht über den finanziellen Bedürfnissen einzelner Familienmitglieder.
Sie akzeptieren, dass Gewinne reinvestiert werden müssen und setzen langfristiges Wachstum über kurzfristigen Konsum.
Was bedeutet das konkret? Erfolgreiche Familien:
Beschränken die Zahl der Gesellschafter durch gezielte Rückkäufe von Anteilen.
Vermeiden eine exzessive Ausschüttung von Dividenden und setzen stattdessen auf Kapitalstärkung.
Leben ein unternehmerisches Prinzip: Nur wer zum Wachstum beiträgt, soll auch profitieren.
2. Wohlstand ist Mittel, nicht Zweck
Die größte Gefahr für Unternehmerfamilien ist nicht der äußere Wettbewerb – sondern innerer Stillstand. Ein steigender Lebensstandard kann dazu führen, dass Komfort und Sicherheit wichtiger werden als unternehmerisches Handeln.
Erfolgreiche Unternehmerfamilien setzen andere Prioritäten: Sie konzentrieren sich darauf, Dinge von bleibendem Wert zu schaffen – Unternehmen, Innovationen, soziales Engagement.
Sie betrachten Wohlstand nicht als Endziel, sondern als Werkzeug.
Daher:
Familienmitglieder sind selbst aktiv – ob im Unternehmen oder in anderen produktiven Feldern.
Der Lebensstil bleibt bodenständig – Statussymbole sind nachrangig.
Es gibt eine klare Erzählung in der Familie: „Wir arbeiten nicht für Luxus, sondern für Leistung.“
3. Keine Abhängigkeit vom Familienunternehmen
Ein Unternehmen kann nicht die finanzielle Versorgung aller Familienmitglieder über Generationen hinweg garantieren. Wer darauf vertraut, dass das Unternehmen ihn dauerhaft finanziert, wird zum Risiko für dessen Zukunft.
Deshalb ist eine entscheidende Gewohnheit erfolgreicher Unternehmerfamilien: Jedes Familienmitglied sollte finanziell unabhängig sein.
Das bedeutet:
Nachfolgende Generationen werden ermutigt, eigene Karrieren zu verfolgen – sei es im Unternehmen oder anderswo.
Das Unternehmen zahlt nur marktübliche Gehälter und Dividenden – keine Sonderleistungen für Familienangehörige.
Familienmitglieder wissen, dass Eigentum Verantwortung bedeutet – nicht nur ein Anrecht auf finanzielle Vorteile.
4. Diversifikation ist Pflicht, nicht Kür
Unternehmerfamilien, die ihren gesamten Wohlstand an ein einziges Unternehmen binden, setzen ihre Existenz aufs Spiel. Märkte verändern sich, Branchen verschwinden – wer alles auf eine Karte setzt, verliert langfristig.
Daher diversifizieren erfolgreiche Familien strategisch:
Sie investieren in neue Geschäftsfelder – oft entlang ihrer bestehenden Kompetenzen.
Sie schaffen liquide Reserven außerhalb des Unternehmens, um nicht in einer Krise zum Notverkauf gezwungen zu sein.
Sie etablieren Family Offices oder Investmentvehikel, um Vermögen professionell zu verwalten.
Die Grundregel lautet: Kein Unternehmen ist unverwundbar – also sorge für Sicherheit.
5. Governance schützt vor Selbstzerstörung
Die größte Bedrohung für Familienunternehmen ist nicht der Markt – sondern die Familie selbst.
Unklare Strukturen, unfaire Entscheidungen und ungelöste Konflikte zerstören mehr Unternehmen als jede Wirtschaftskrise.
Deshalb haben erfolgreiche Unternehmerfamilien klare Regeln und starke Strukturen:
Eine professionelle Governance: Klare Prozesse für Entscheidungen und Nachfolgefragen.
Ein starkes Wertefundament: Eine Familienverfassung, die langfristige Prinzipien sichert.
Transparenz und Fairness: Kein Familienmitglied soll sich benachteiligt fühlen – das verhindert Eskalationen.
Wer hier nicht aktiv steuert, überlässt die Zukunft des Unternehmens dem Zufall – und der führt meist in den Niedergang.
Der schwierige, aber lohnenswerte Weg
Die fünf Gewohnheiten erfolgreicher Unternehmerfamilien sind kein Geheimnis – sie sind dokumentiert, erforscht und bewiesen. Doch sie setzen harte Arbeit und Disziplin voraus. Es ist leichter, Gewinne zu verteilen, als sie zu reinvestieren. Es ist angenehmer, einen luxuriösen Lebensstil zu pflegen, als sich auf langfristige Wertschöpfung zu konzentrieren. Es ist einfacher, Streitigkeiten zu ignorieren, als sie konsequent zu regeln.
Der Preis für den einfachen Weg ist der schleichende Zerfall der Familie und des Unternehmens. Der schwierigere Weg – geprägt durch klare Prioritäten, langfristige Planung und bewusste Entscheidungen – ist der einzige, der über Generationen hinweg Bestand hat. Welchen Weg wird Ihre Familie wählen?
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