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Schwierige Entscheidungen: Dividenden in turbulenten Zeiten

In Krisenzeiten stehen Familienunternehmen vor einer heiklen Frage: Unternehmenssicherung oder Dividenden für Gesellschafter? Finanzielle Resilienz erfordert flexible Strategien. Statt starrer Ausschüttungen helfen gestaffelte Modelle, frühzeitige Kommunikation und strategische Rücklagen. Unternehmen, die ihre Finanzstrategie anpassen, überstehen Krisen nicht nur – sie nutzen sie als Wachstumschance. Der Schlüssel liegt in vorausschauender Planung und Agilität.

 

Der Spagat zwischen unternehmerischer Resilienz und familiärer Verantwortung

Krisenzeiten sind für Familienunternehmen stets ein doppeltes Spannungsfeld: Einerseits steht die langfristige Unternehmenssicherung im Fokus, andererseits haben viele Gesellschafter eine klare Erwartungshaltung an die Dividendenzahlungen. Doch was tun, wenn sich beides nicht mehr vereinbaren lässt?

Die kurze Antwort: Seien Sie bereit, flexibel zu sein.

Wirtschaftliche Unsicherheiten als Realität – und nicht als Ausnahme

Trump, Ukraine-Krieg, COVID-19 waren nur einige, aber sicher nicht die letzten Beispiel der tiefgreifenden wirtschaftlichen Erschütterung, die wir erleben. Rezessive Phasen gehören zur wirtschaftlichen Realität, und Familienunternehmen müssen sich darauf einstellen, dass Marktumbrüche jederzeit auftreten können – sei es durch geopolitische Veränderungen, technologische Disruptionen oder Umweltfaktoren.


Die Frage ist also nicht ob Krisen kommen, sondern wie Unternehmen darauf vorbereitet sind. Und eine der größten finanziellen Herausforderungen ist dabei die Dividendenpolitik.

Unternehmensstabilität oder Familieneinkommen? Die fundamentale Zwickmühle

Die Eigentümer eines Familienunternehmens stehen stets vor der Entscheidung, wie sie mit den Gewinnen umgehen. In stabilen Zeiten scheint die Aufteilung einfach: Ein Teil wird reinvestiert, ein anderer als Dividende an die Gesellschafter ausgeschüttet. Doch in Krisenzeiten verschiebt sich diese Balance massiv.


Ein reduzierter Cashflow kann es erfordern, Dividenden auszusetzen oder zu kürzen, um das Unternehmen liquide zu halten. Gleichzeitig sind viele Familienmitglieder stark auf Dividenden angewiesen – sei es zur Deckung ihrer Lebenshaltungskosten oder zur Finanzierung gemeinsamer Familienprojekte wie Family Offices, Governance-Strukturen oder philanthropische Initiativen.


Es gibt keinen One-Size-Fits-All-Ansatz, aber es gibt kluge Prinzipien, um die Balance zu halten.

Lösungswege: Wie Familienunternehmen strategisch mit Dividenden in Krisenzeiten umgehen können


1. Klare Prioritäten setzen: Was braucht das Unternehmen zum Überleben?

Wenn das Unternehmen existenziell gefährdet ist, muss die Dividendenfrage untergeordnet sein. Hier hilft eine faktenbasierte Diskussion zwischen Gesellschaftern, Beirat und Geschäftsführung:

  • Welche Liquidität wird in den nächsten 12–24 Monaten benötigt?

  • Sind alternative Finanzierungsquellen verfügbar?

  • Welche Konsequenzen hätte eine Dividendenaussetzung für die Gesellschafter?


Praxisbeispiel: Während der COVID-19-Krise setzten neun von 15 börsennotierten Familienunternehmen ihre Dividendenzahlungen vollständig aus – viele von ihnen in Branchen, die besonders hart getroffen wurden (u. a. Automobil, Tourismus und Einzelhandel).


2. Erwartungsmanagement: Frühzeitige Kommunikation mit den Gesellschaftern

Überraschungen bei der Dividendenpolitik führen fast immer zu internen Konflikten. Eine transparente Kommunikation und eine vorausschauende Planung helfen, Unruhe zu vermeiden.


Ein schwäbisches Familienunternehmen entschied sich beispielsweise während der Pandemie, seine Dividendenpolitik beizubehalten, jedoch die tatsächlich ausgeschütteten Beträge dem Gewinnrückgang entsprechend zu reduzieren. Durch diese klare Kommunikation konnten die Gesellschafter rechtzeitig planen.


3. Szenarien durchspielen: Flexibilität als Erfolgsfaktor

Anstatt starrer Dividendenregelungen sollten Familienunternehmen flexible Modelle in Erwägung ziehen, die sowohl wirtschaftliche Stabilität als auch Familienbedürfnisse berücksichtigen:

  • Gestaffelte Ausschüttungen: Anpassung der Dividendenhöhe in Abhängigkeit von festgelegten finanziellen Schwellenwerten.

  • Dynamische Gewinnbeteiligung: Anstelle einer fixen Dividende eine variable Ausschüttung, die sich an Unternehmenszielen orientiert.

  • Reinvestitionsoptionen: Möglichkeit für Gesellschafter, Dividenden ganz oder teilweise im Unternehmen zu belassen und später durch Bonuszahlungen zu profitieren.


Lektion aus der Finanzkrise 2008: Ein Immobilienunternehmen hatte bewusst über Jahre hinweg hohe Cash-Reserven aufgebaut, anstatt große Dividenden auszuschütten. Dadurch konnte es in der Krise nicht nur überleben, sondern sogar günstig expandieren, während viele Wettbewerber um ihre Existenz kämpften.


Die beste Dividendenpolitik ist eine, die auf Veränderungen vorbereitet ist

Es gibt keine Patentlösung für die Dividendenfrage in Krisenzeiten. Doch eines steht fest: Familienunternehmen, die ihre Finanzstrategie mit langfristigem Weitblick und interner Flexibilität gestalten, kommen resilienter durch schwierige Phasen.

Die entscheidende Frage lautet also nicht nur, ob Dividenden gezahlt werden sollten, sondern wie das Unternehmen strategisch vorbereitet sein kann, um in guten wie in schlechten Zeiten handlungsfähig zu bleiben.
Familienunternehmen, die heute eine flexible Dividendenstrategie entwickeln, werden morgen nicht in Panik verfallen müssen.

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c/o Hochschule München  |  Bayrische Spitzenprofessur für Transformation & Innovation in Familienunternehmen

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