Wann sollten Sie Ihren CEO entlassen?
- Christian Schiede
- 21. März
- 3 Min. Lesezeit
Ein CEO-Wechsel ist eine der schwierigsten, aber manchmal unvermeidlichen Entscheidungen. Drei Faktoren geben Orientierung: Passt der CEO noch zur Strategie? Lebt er die Unternehmenskultur? Gibt es tragfähige Alternativen? Familienunternehmen sollten langfristige Lösungen priorisieren, statt aus kurzfristigem Druck zu handeln. Wer zu lange an falscher Führung festhält, gefährdet das gesamte Unternehmen.
Die Wahl des richtigen CEOs ist eine der wichtigsten Entscheidungen eines Unternehmens. Sie kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Märkte reagieren oft unmittelbar auf Veränderungen in der Führungsetage: Als der Kamerahersteller Olympus seinen CEO entließ, fielen die Aktien. Als Air France-KLM den Wechsel an der Spitze ankündigte, stiegen sie.
Doch die Entscheidung, einen CEO abzusetzen, ist eine der schwierigsten im unternehmerischen Kontext. Sie signalisiert, dass etwas fundamental schiefläuft – und wirft oft unangenehme Fragen auf: War die ursprüngliche Wahl des CEOs ein Fehler?
Haben Eigentümer und Beirat bei der Auswahl versagt?
Hinzu kommt die emotionale und persönliche Dimension: Kaum jemand führt gerne ein Gespräch, das auf eine Entlassung hinausläuft.
Doch es gibt Situationen, in denen diese Entscheidung unumgänglich ist. Wann ist der richtige Moment? Drei klare Kriterien geben Orientierung:
Der CEO ist nicht (mehr) der richtige Fit für das Unternehmen.
Er oder sie untergräbt die Grundwerte des Unternehmens.
Es gibt realistische Alternativen mit positiven Konsequenzen.
Faktor 1: Passung – Hat Ihr CEO die richtigen Fähigkeiten?
Erfolgreiche Unternehmen brauchen Führungspersönlichkeiten mit passenden Fähigkeiten, Werten und einem klaren Entscheidungsstil. Gute CEOs bauen starke Führungsteams auf, genießen Glaubwürdigkeit und können die strategische Richtung vorgeben.
Doch nicht jeder herausragende Manager ist für jedes Unternehmen der richtige. Ein CEO muss nicht perfekt sein – selbst Größen wie Jack Welch oder Jamie Dimon hatten Schwächen.
Entscheidend ist, dass er oder sie ein Team formiert, das diese Schwächen ausgleicht.
In Familienunternehmen kommt eine besondere Dimension hinzu: Ein familieninterner CEO bringt oft tiefe emotionale Verbundenheit, langfristige Vision und Vertrauen innerhalb der Gesellschafterstruktur mit. Fehlen jedoch wesentliche Führungsqualitäten oder passen die Werte nicht zur Unternehmenskultur, kann ein externer CEO die bessere Wahl sein.
Ein entscheidender Fehler wäre es, den CEO ausschließlich nach kurzfristigen finanziellen Ergebnissen zu beurteilen. Japanische Top-Manager treten traditionell zurück, wenn ihr Unternehmen schwächelt. Doch in einem familiengeführten Unternehmen mit langfristiger Perspektive ist es wichtig, über aktuelle Zahlen hinauszublicken: Ist der CEO in der Lage, die Firma nachhaltig zu entwickeln? Falls ja, verdient er Unterstützung, nicht Entlassung. Falls nicht, muss gehandelt werden.
Faktor 2: Lebt Ihr CEO die Unternehmenswerte?
Kultur schlägt Strategie. Langfristig erfolgreiche Familienunternehmen stehen für klare Grundwerte – sei es Qualität, Nachhaltigkeit oder Mitarbeiterrespekt. Ein CEO, der diese Werte missachtet, beschädigt nicht nur die Reputation, sondern das Fundament des Unternehmens.
Ein erfahrener Manager sagte einmal: „Wenn Sie zeigen wollen, dass Ihnen Ihre Werte ernst sind, dann entlassen Sie eine leistungsstarke Führungskraft, die diese missachtet.“
Ein anschauliches Beispiel: Der CEO eines traditionsreichen Familienunternehmens war klug, durchsetzungsstark und hochqualifiziert. Doch er war arrogant, zeigte wenig Respekt gegenüber langjährigen Führungskräften und kritisierte offen die Firmenkultur. Seine analytischen Fähigkeiten waren überragend – doch sein Verhalten zerstörte Vertrauen. Selbst die engste Familie erkannte schließlich, dass er nicht der richtige CEO war. Die Entscheidung, ihn zu entlassen, war hart, aber notwendig.
Ein Unternehmen, das seine Kultur schützt, bleibt langfristig stabil. Wer hingegen einen CEO toleriert, der die Grundwerte untergräbt, riskiert weitreichende Schäden.
Faktor 3: Gibt es realistische Alternativen?
Ein CEO-Wechsel kann nur dann erfolgreich sein, wenn es eine umsetzbare Nachfolgelösung gibt. Familienunternehmen tun gut daran, kontinuierlich potenzielle Nachfolger zu entwickeln – doch die Realität sieht oft anders aus.
Besonders in Märkten mit Fachkräftemangel oder wenn kein vorbereitetes Familienmitglied zur Verfügung steht, fällt die Entscheidung schwer. Unternehmen müssen sich fragen: Gibt es eine geeignete interne Lösung? Oder eine externe Führungskraft, die kulturell und strategisch passt?
Ein CEO sollte also nicht vorschnell entlassen werden, wenn es keine Alternativen gibt. Gleichzeitig kann es fatal sein, einen CEO aus Bequemlichkeit zu behalten, wenn er oder sie dem Unternehmen schadet.
Schwierig, aber unvermeidlich
Die Entlassung eines CEO ist kein Scheitern – sondern unter Umständen eine notwendige strategische Entscheidung. Ein Unternehmen muss sich fragen:
Ist die Führungsperson langfristig der richtige Fit?
Schützt sie die Grundwerte des Unternehmens?
Gibt es tragfähige Alternativen?
Wer diese drei Fragen mit „Nein“ beantwortet, sollte handeln. Denn das gefährlichste Szenario ist nicht die Entlassung eines CEO – sondern das Festhalten an der falschen Führung.
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