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Warum das 21. Jahrhundert Familienunternehmen gehören kann

Die Regeln der Wirtschaft ändern sich: Während börsennotierte Konzerne mit Bürokratie, kurzfristigem Denken und volatilen Märkten kämpfen, nutzen Familienunternehmen ihre Stärken aus. Langfristige Strategie, Talentbindung, Unabhängigkeit und Agilität machen sie zu den Gewinnern des 21. Jahrhunderts. Wer Tradition mit Innovation verbindet, wird nicht nur überleben, sondern den Markt dominieren.

 

Die Welt glaubt an eine einfache Regel: Familienunternehmen sind nicht von Dauer. Die viel zitierte „Drei-Generationen-Regel“ besagt, dass nur 30 % die zweite Generation überstehen, 10–15 % die dritte und lediglich 3–5 % die vierte. Diese Zahlen sind entmutigend – doch sie erzählen nur die halbe Wahrheit.


Ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte zeigt: Selbst börsennotierte Unternehmen haben im Schnitt nur eine Lebensdauer von 15 Jahren. Im Vergleich dazu erscheinen Familienunternehmen geradezu robust. Und mehr noch: Ihre vermeintlichen Schwächen entwickeln sich in der aktuellen Wirtschaftslage zu entscheidenden Vorteilen. Während sich öffentliche Unternehmen schwertun, auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren, positionieren sich Familienunternehmen als Gewinner einer neuen Ära.


Von der Skalierung zur Substanz: Der neue Wettbewerbsvorteil

Über Jahrzehnte war Unternehmensgröße der Schlüssel zum Erfolg. Skaleneffekte, Zugang zu Kapitalmärkten und aggressives Wachstum dominierten die Wirtschaft. Doch die Regeln haben sich geändert. Heute kämpfen Unternehmen nicht um Marktanteile in Boomzeiten, sondern um Stabilität in einem Umfeld mit unsicherem Wachstum, disruptiven Technologien und neuen gesellschaftlichen Erwartungen.


Öffentliche Unternehmen verlieren an Bedeutung – ihr Anteil am amerikanischen BIP, an der Belegschaft und am Vermögen ist seit den 1980er Jahren um 50 % gesunken. In diesem neuen Wettbewerbsumfeld kommen Familienunternehmen ins Spiel. Sie verfügen über strategische Vorteile in fünf entscheidenden Bereichen:


1. Talent: Werte schlagen Gehalt

Im 20. Jahrhundert zählte Masse: Unternehmen suchten möglichst viele Angestellte, die langfristige Stabilität schätzten. Heute sind Talentbindung und Kultur entscheidend. Studien zeigen: Hochqualifizierte Mitarbeitende suchen nicht nur nach Gehalt, sondern nach Sinn. Bain & Company bringt es auf den Punkt: „Mitarbeiter wollen hart arbeiten, weil sie an die Mission und die Werte ihres Unternehmens glauben.“

Familienunternehmen verkörpern langfristiges Denken, familiäre Werte und eine klare Mission – genau das, was Top-Talente anzieht und hält.

2. Kapital: Unabhängigkeit schlägt kurzfristige Rendite

Öffentliche Unternehmen stehen unter dem Druck von Quartalsberichten und Aktionärserwartungen. 78 % der CFOs börsennotierter Firmen gaben in einer Studie zu, dass sie Entscheidungen treffen würden, die langfristig Wert vernichten – nur um kurzfristige Ziele zu erreichen.

Familienunternehmen denken in Generationen, nicht in Quartalen. Sie können Kapital nachhaltiger einsetzen, investieren langfristig und bleiben unabhängig von den Volatilitäten der Finanzmärkte.

3. Reputation: Authentizität zählt

In der Ära der sozialen Medien hat sich Unternehmenskommunikation radikal verändert. Während es in den 1970er Jahren genügte, Gewinne zu maximieren, reicht das heute nicht mehr. Kunden, Investoren und Mitarbeitende verlangen nachhaltiges Wirtschaften, Authentizität und gesellschaftlichen Beitrag.

Familienunternehmen haben hier einen Startvorteil: Sie sind oft tief in ihren Regionen verwurzelt, haben über Generationen ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und handeln nicht aus kurzfristigem Profitstreben, sondern aus langfristiger Verantwortung.

4. Organisation: Agilität statt Bürokratie

Während Großkonzerne mit hierarchischen Strukturen kämpfen, sind Familienunternehmen oft flexibler. Sie können schneller entscheiden, direkter auf Veränderungen reagieren und Innovationen ohne endlose Abstimmungsschleifen umsetzen.

Das Erfolgsgeheimnis liegt in der Nähe zwischen Eigentümern und Unternehmen.

Während in börsennotierten Konzernen Entscheidungswege oft über Managementebenen und Investoren laufen, sind in Familienunternehmen die Entscheidungsträger oft direkt involviert – und das verschafft ihnen einen strategischen Vorteil.


5. Governance: Verantwortungsbewusstes Eigentum schlägt anonyme Aktionärsstrukturen

Das klassische Problem börsennotierter Unternehmen ist das sogenannte „Principal-Agent-Problem“: Manager verwalten ein Unternehmen, das ihnen nicht gehört – und ihre Interessen sind oft nicht mit denen der Eigentümer identisch. Versuche, das durch aktienbasierte Boni auszugleichen, führten in vielen Fällen zu überzogenen Gehältern und Manipulationen.


Familienunternehmen umgehen dieses Problem durch engagiertes Unternehmertum. Eigentum und Unternehmensführung sind oft eng verzahnt, wodurch langfristige, verantwortungsbewusste Entscheidungen begünstigt werden.


Das Jahrhundert der Familienunternehmen

Öffentliche Unternehmen waren das dominante Modell des 20. Jahrhunderts – weil sie perfekt auf eine Welt des ungebremsten Wachstums, der Kapitalmärkte und der Skalierung ausgerichtet waren. Doch diese Rahmenbedingungen ändern sich.

In einer Welt, in der Nachhaltigkeit, Werte, Talentbindung, Agilität und langfristiges Denken entscheidend sind, haben Familienunternehmen die Nase vorn. Wer ihre Stärken nutzt, wird nicht nur überleben – sondern den Markt dominieren.
Das 21. Jahrhundert gehört den Familienunternehmen. Es wird Zeit, dass sie sich ihrer Stärke bewusst werden – und sie konsequent einsetzen.

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